Warum elektrostatische Erdung sicherheitskritisch ist

Elektrostatische Aufladung ist kein Sonderfall und kein Fehler im Prozess – sie ist ein physikalisch normaler Begleiter vieler industrieller Abläufe. Überall dort, wo Materialien getrennt, gefördert, umgefüllt oder bewegt werden, entstehen elektrische Ladungen. In vielen Anwendungen bleiben diese Effekte folgenlos. In anderen jedoch stellen sie ein reales Sicherheitsrisiko dar.

Kritisch wird es immer dann, wenn sich Ladungen auf leitfähigen Objekten oder Personen unkontrolliert anhäufen und anschließend in Form einer Entladung freigesetzt werden. Funkenentladungen können dabei nicht nur zu unangenehmen Stromschlägen führen, sondern – in Gegenwart brennbarer Gase, Dämpfe oder Stäube – als wirksame Zündquelle auftreten. Das Risiko reicht von lokalen Beschädigungen über Produktionsausfälle bis hin zu Explosionen mit Personen- und Sachschäden.

Besonders relevant ist die elektrostatische Erdung daher in Branchen wie:
• Chemie und Petrochemie
• Kunststoffverarbeitung
• Druck- und Verpackungsindustrie
• Lebensmittel- und Pharmaindustrie
• Schüttgut- und Granulathandling

In diesen Bereichen sind explosionsfähige Atmosphären keine Ausnahme, sondern ein bekannter Betriebszustand, zumindest zeitweise. Die Erdung stellt hier keine Komfortmaßnahme dar, sondern ist ein zentraler Bestandteil des Explosions- und Personenschutzes.

Wichtig ist dabei eine klare Einordnung:
Nicht jede elektrostatische Aufladung ist automatisch gefährlich. Gefährlich wird sie erst dann, wenn die entstehende Ladung nicht kontrolliert abgeleitet werden kann und es zur Entladung mit ausreichender Energie kommt. Genau an diesem Punkt setzt die elektrostatische Erdung an.

Wie elektrostatische Aufladung in der Praxis entsteht

Elektrostatische Aufladung entsteht immer dann, wenn zwei Materialien miteinander in Kontakt stehen und anschließend wieder voneinander getrennt werden. Dieser Vorgang wird als Trennprozess bezeichnet. Solche Trennprozesse sind in industriellen Anwendungen allgegenwärtig – oft unbewusst und unvermeidbar.

Typische Beispiele sind:
• Abfüllen von Flüssigkeiten oder Schüttgütern
• Fördern von Granulaten oder Pulvern
• Abwickeln von Folien, Bahnwaren oder Textilien
• Reibung zwischen Förderbändern und Umlenkrollen
• Gehen von Personen auf Fußböden
• Strömung von Flüssigkeiten durch Rohrleitungen

Besonders ausgeprägt ist die Aufladung, wenn mindestens einer der beteiligten Kontaktpartner elektrisch isolierend ist. Dazu zählen viele Kunststoffe, Beschichtungen, Folien, Granulate oder auch bestimmte Flüssigkeiten. Bei der Trennung werden elektrische Ladungsträger voneinander getrennt, sodass eine Oberfläche positiv und die andere negativ geladen zurückbleibt.

Ein entscheidender Punkt:
Die Aufladung selbst ist zunächst harmlos. Sie beschreibt lediglich einen Zustand – vergleichbar mit einem aufgeladenen Kondensator. Ob daraus eine Gefahr entsteht, hängt davon ab, was mit dieser Ladung anschließend passiert.

In der Praxis treten zwei grundlegende Szenarien auf:

  1. Die Ladung kann über eine leitfähige Verbindung kontrolliert zur Erde abfließen.
  2. Die Ladung bleibt auf einem Objekt gespeichert und häuft sich weiter an.

Der zweite Fall ist der kritische. Er tritt insbesondere dann auf, wenn leitfähige Objekte elektrisch von der Erde isoliert sind – etwa durch:
• Kunststoffrollen oder -füße
• isolierende Dichtungen
• Beschichtungen
• fehlende oder unterbrochene Erdverbindungen

Auch Personen können sich aufladen, beispielsweise durch isolierendes Schuhwerk oder nicht ableitfähige Fußböden. In all diesen Fällen entsteht eine Ladungsanhäufung, die nicht sofort abgebaut wird.

Wann elektrostatische Aufladung zur Gefahr wird

Eine elektrostatische Aufladung wird nicht automatisch zur Gefahr. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Ladungsmenge, Ableitbedingungen und Umgebung. Erst wenn mehrere Faktoren zusammenkommen, entsteht ein relevantes Risiko.

Grundsätzlich lassen sich drei Stufen unterscheiden:

1. Ladungstrennung

Durch Trennprozesse entstehen elektrische Ladungen auf Produkten, Anlagenteilen oder Personen.

2. Ladungsanhäufung

Kann die Ladung nicht ausreichend schnell zur Erde abfließen, sammelt sie sich an. Das elektrische Feld um das aufgeladene Objekt wird stärker.

3. Entladung

Wird eine kritische Feldstärke erreicht, kommt es zur Entladung – etwa in Form eines Funkens oder einer anderen Entladungsart.

Gefährlich wird dieser letzte Schritt dann, wenn:
• eine zündfähige Atmosphäre vorhanden ist (Gas, Dampf, Staub),
• die Entladung ausreichende Energie freisetzt,
• und die Entladung am richtigen Ort auftritt.

In industriellen Umgebungen sind diese Bedingungen häufig zumindest zeitweise erfüllt. Schon sehr geringe Energien reichen aus, um bestimmte Gemische zu entzünden. Die sogenannte Mindestzündenergie vieler Lösemitteldämpfe oder feiner Stäube liegt im Bereich weniger Millijoule – Energien, die bei elektrostatischen Funkenentladungen problemlos erreicht oder überschritten werden können.

Besonders kritisch sind Funkenentladungen zwischen leitfähigen Objekten, da hier ein großer Teil der gespeicherten Energie schlagartig freigesetzt wird. Solche Situationen entstehen typischerweise bei:
• nicht geerdeten Fässern oder IBCs
• isoliert eingebauten Metallteilen
• mobilen Anlagen oder Wagen
• aufgeladenen Personen in der Nähe geerdeter Strukturen

An dieser Stelle wird deutlich:
Das Risiko entsteht nicht durch den Prozess allein, sondern durch fehlende oder unzureichende Maßnahmen zur kontrollierten Ladungsableitung. Genau hier setzt die elektrostatische Erdung an – nicht als theoretisches Konzept, sondern als konkrete, technische Schutzmaßnahme.

Grundprinzip der elektrostatischen Erdung

Das Ziel der elektrostatischen Erdung ist einfach formuliert, aber technisch anspruchsvoll in der Umsetzung:
Elektrische Ladungen sollen kontrolliert, kontinuierlich und gefahrlos zur Erde abgeleitet werden, bevor es zu einer Entladung kommt.

Entscheidend ist dabei ein grundlegendes Verständnis:
Erdung verhindert nicht die Entstehung elektrostatischer Ladungen. Sie verhindert, dass sich diese Ladungen ansammeln und anschließend unkontrolliert entladen.

Erdung bedeutet Potenzialausgleich

Elektrostatische Erdung stellt einen definierten Potenzialausgleich zwischen einem Objekt und der Erde her. Befindet sich ein leitfähiger Gegenstand auf Erdpotenzial, können neu entstehende Ladungen unmittelbar abfließen. Das elektrische Feld baut sich nicht auf – eine Entladung wird vermieden.

Dabei ist zwischen zwei Begriffen zu unterscheiden, die in der Praxis oft vermischt werden:
• Bonding: leitfähige Verbindung mehrerer Objekte untereinander, sodass sie dasselbe elektrische Potenzial besitzen
• Erdung: Verbindung dieses gemeinsamen Potenzials mit der Erde

Beides gehört zusammen. Eine Erdung einzelner Komponenten ist nur dann wirksam, wenn alle beteiligten leitfähigen Teile zuverlässig in den Potenzialausgleich einbezogen sind.

Leitfähigkeit allein reicht nicht aus

Ein häufiger Irrtum in der Praxis besteht darin, Erdung ausschließlich mit „Metallkontakt“ gleichzusetzen. Tatsächlich ist nicht entscheidend, ob eine Verbindung vorhanden ist, sondern wie gut sie elektrisch wirksam ist.

Maßgeblich ist der Ableitwiderstand gegen Erde. Ist dieser zu hoch, fließt die Ladung zu langsam ab – die Ladungsanhäufung bleibt bestehen. In sicherheitsrelevanten Anwendungen haben sich daher praxisnahe Grenzwerte etabliert:
• Erdung von Anlagenteilen: Ableitwiderstand gegen Erde ≤ 10⁶ Ω
• Erdung von Personen: Ableitwiderstand (Person–Schuh–Boden) ≤ 10⁸ Ω

Diese Werte sind keine akademischen Kenngrößen, sondern bilden die Grundlage vieler technischer Regeln und Sicherheitskonzepte. Sie verdeutlichen, dass selbst scheinbar „angeschlossene“ Objekte in Wirklichkeit nicht ausreichend geerdet sein können.

Typische Herausforderungen in der Umsetzung

In industriellen Anlagen ist die Erdung selten so einfach, wie sie auf dem Papier erscheint. Häufige Herausforderungen sind:
• Isolierende Zwischenelemente
Dichtungen, Beschichtungen oder Kunststoffkomponenten unterbrechen den elektrischen Kontakt, obwohl das Bauteil selbst leitfähig ist.
• Mobile oder wechselnde Objekte
Fässer, IBCs, Wagen oder Big Bags sind nicht dauerhaft mit der Anlage verbunden und müssen bei jedem Prozessschritt neu berücksichtigt werden.
• Mechanischer Verschleiß
Erdungskontakte unterliegen Abnutzung, Verschmutzung oder Korrosion und verlieren mit der Zeit ihre Wirksamkeit.
• Fehlende Kontrolle
Ohne Überwachung bleibt unbemerkt, ob eine Erdverbindung tatsächlich besteht oder unterbrochen ist.

Aus diesen Gründen ist eine funktionierende Erdung immer mehr als ein Kabel oder eine Klemme. Sie ist Teil eines durchdachten Sicherheitskonzepts, das den gesamten Prozess betrachtet.

Erdung als kontinuierliche Schutzmaßnahme

Ein zentraler Punkt ist die zeitliche Betrachtung:
Erdung wirkt präventiv. Sie verhindert den Aufbau gefährlicher Ladungen, statt erst auf eine Entladung zu reagieren. Im Gegensatz dazu sind viele andere Maßnahmen – etwa organisatorische Vorgaben oder nachträgliche Kontrollen – nur eingeschränkt wirksam, wenn der Prozess bereits läuft.

Deshalb gilt in sicherheitskritischen Anwendungen:

Erdung ist keine ergänzende Maßnahme, sondern eine Grundvoraussetzung für den sicheren Betrieb.

In den folgenden Kapiteln wird deutlich werden, warum gerade scheinbar banale Details – etwa mobile Gebinde, Personen oder isolierte Einbauten – in der Praxis häufig die entscheidenden Schwachstellen darstellen.

Typische Fehler und Schwachstellen in der Praxis

In der industriellen Praxis scheitert elektrostatische Erdung selten an fehlendem Wissen, sondern deutlich häufiger an Detailproblemen in der Umsetzung. Viele Anlagen sind „theoretisch geerdet“, erfüllen ihre Schutzfunktion aber nur eingeschränkt oder gar nicht.

Isoliert eingebaute Metallteile

Ein klassischer Fehler ist die Annahme, dass metallische Bauteile automatisch geerdet sind. In Wirklichkeit werden sie häufig durch:
• Dichtungen
• Lackierungen oder Pulverbeschichtungen
• Kunststofflager oder -füße

elektrisch von der Umgebung isoliert. Das Bauteil kann sich dadurch aufladen, obwohl es mechanisch fest mit der Anlage verbunden ist. Solche isolierten Metallteile sind besonders kritisch, da sie bei Annäherung geerdeter Komponenten zu energiereichen Funkenentladungen führen können.

Mobile Gebinde und wechselnde Komponenten

Fässer, IBCs, Container oder mobile Wagen werden oft nur temporär in Prozesse eingebunden. Typische Probleme sind:
• fehlende Erdung beim Umsetzen
• lose oder vergessene Erdungskabel
• Erdung nur während eines Teils des Prozesses

Gerade bei Abfüll- oder Umfüllvorgängen entstehen jedoch hohe Ladungsmengen – genau in dem Moment, in dem eine zuverlässige Erdung zwingend erforderlich wäre.

Personen als Ladungsträger

Auch Personen werden in Erdungskonzepten häufig unterschätzt. Isolierendes Schuhwerk, ungeeignete Böden oder fehlende ESD-Maßnahmen führen dazu, dass sich Bediener aufladen können. Die Folge sind:
• Funkenüberschläge beim Berühren geerdeter Teile
• unklare Zündquellen in explosionsgefährdeten Bereichen
• subjektiv wahrnehmbare Stromschläge, die auf reale Risiken hinweisen

Fehlende Kontrolle und Überwachung

Ein Erdungskabel allein garantiert keine Sicherheit. In der Praxis gehen Erdverbindungen verloren durch:
• mechanische Beschädigung
• Korrosion
• Verschmutzung
• unsachgemäße Montage

Ohne Erdungsüberwachung bleibt dieser Zustand oft unbemerkt. Der Prozess läuft weiter – mit trügerischer Sicherheit.

Elektrostatische Erdung in explosionsgefährdeten Bereichen

In explosionsgefährdeten Bereichen erhält die elektrostatische Erdung eine besondere Bedeutung, da sie hier unmittelbar mit dem Explosionsschutz verknüpft ist. Entscheidend ist nicht, ob eine explosionsfähige Atmosphäre ständig vorhanden ist, sondern ob sie zeitweise auftreten kann.

Grundgedanke des Explosionsschutzes

Explosionen entstehen nur, wenn drei Faktoren gleichzeitig vorliegen:

  1. brennbarer Stoff
  2. Sauerstoff
  3. wirksame Zündquelle

Elektrostatische Entladungen können eine solche Zündquelle darstellen. Ziel der Erdung ist es daher, diese Zündquelle zuverlässig auszuschließen.

Rolle der Erdung im Explosionsschutzkonzept

In explosionsgefährdeten Bereichen ist Erdung keine optionale Zusatzmaßnahme. Sie gehört zu den:
• technischen Schutzmaßnahmen
• grundlegenden Anforderungen an Anlagen und Prozesse

Dabei geht es nicht um maximale Leitfähigkeit, sondern um kontrollierte Ableitung. Zu niedrige Widerstände können ebenso problematisch sein wie zu hohe – entscheidend ist der sichere, reproduzierbare Abfluss der Ladung.

Praxisrelevante Situationen

Besonders relevant ist die Erdung bei:
• Abfüll- und Entleerprozessen
• Reinigungs- und Wartungsarbeiten
• manuellen Eingriffen in laufende Prozesse
• temporären Aufbauten

Gerade hier treten häufig Abweichungen vom Normalbetrieb auf – und damit erhöhte Risiken.

Wichtig ist die Erkenntnis:

Explosionsschutz funktioniert nicht über Einzelmaßnahmen, sondern über konsistente, geprüfte Konzepte.

Die elektrostatische Erdung bildet dabei eine der tragenden Säulen.

Erdung und Ionisation – Zusammenspiel statt Entweder-oder

In der Praxis werden Erdung und Ionisation häufig miteinander verwechselt oder gegeneinander ausgespielt. Tatsächlich erfüllen beide Technologien unterschiedliche Aufgaben und adressieren verschiedene Problemstellungen.

Unterschiedliche Zielsetzungen
• Erdung
Verhindert gefährliche Ladungsanhäufungen auf leitfähigen Objekten und Personen.
→ Fokus: Sicherheit
• Ionisation
Neutralisiert elektrostatische Ladungen auf isolierenden Oberflächen oder in der Luft.
→ Fokus: Prozessstabilität und Produktqualität

Ionisation kann eine fehlende Erdung nicht ersetzen. Umgekehrt löst Erdung allein nicht alle Probleme elektrostatischer Aufladung, insbesondere bei isolierenden Materialien.

Typische Fehlannahmen
• „Wir haben Ionisation, also brauchen wir keine Erdung.“
• „Das Bauteil ist geerdet, also kann es sich nicht aufladen.“

Beide Aussagen sind in dieser Form falsch und führen in der Praxis zu Sicherheitslücken oder instabilen Prozessen.

Sinnvolle Kombination in der Praxis

In vielen Anwendungen ist die Kombination beider Maßnahmen sinnvoll:
• Erdung sorgt für sichere Ableitung auf leitfähigen Komponenten
• Ionisation reduziert Aufladung auf isolierenden Materialien

Richtig eingesetzt ergänzen sich beide Technologien – vorausgesetzt, ihre Rollen sind klar definiert.

Erdungslösungen im industriellen Alltag

Die Anforderungen an elektrostatische Erdung unterscheiden sich stark je nach Anwendung, Prozess und Umgebung. Entscheidend ist nicht die einzelne Komponente, sondern das Gesamtsystem aus Objekt, Prozess und Erdverbindung. Entsprechend vielfältig sind die Erdungslösungen, die im industriellen Alltag zum Einsatz kommen.

Ziel ist dabei immer dasselbe:
leitfähige Objekte dauerhaft oder temporär sicher auf Erdpotenzial zu halten, sodass entstehende Ladungen kontrolliert abfließen können.

Erdung von Anlagen und Maschinen

Fest installierte Maschinen und Anlagen bilden häufig die Grundlage eines Erdungskonzepts. Sie sind in der Regel über den Schutzleiter oder definierte Erdungspunkte mit der Betriebserde verbunden. In der Praxis zeigen sich jedoch oft Schwachstellen:
• isolierend montierte Baugruppen
• bewegliche Maschinenteile
• nachträglich installierte Komponenten
• Verschleiß an Erdungskontakten

Gerade bei Umbauten oder Erweiterungen wird die Erdung einzelner Teile häufig nicht konsequent mitgeführt. Eine systematische Betrachtung aller leitfähigen Komponenten ist daher unerlässlich.

Erdung von Fässern, IBCs und mobilen Gebinden

Mobile Gebinde gehören zu den kritischsten Erdungsfällen. Sie werden regelmäßig:
• bewegt
• ausgetauscht
• neu in Prozesse eingebunden

Gleichzeitig entstehen bei Abfüll-, Umfüll- oder Entleerprozessen hohe elektrostatische Ladungen. Eine sichere Erdung muss daher:
• einfach anzuschließen sein
• zuverlässig Kontakt herstellen
• während des gesamten Prozesses bestehen bleiben

Besonders wichtig ist, dass die Erdung vor Prozessbeginn hergestellt wird und nicht erst während des Betriebs. Hier zeigt sich der Vorteil definierter Erdungspunkte und klarer Prozessabläufe.

Erdung von Big Bags (FIBC)

Bei Big Bags ist die Situation komplexer, da sie je nach Ausführung:
• leitfähig
• ableitfähig
• oder isolierend

sein können. Zusätzlich sind sie häufig Teil von Staubprozessen, bei denen explosionsfähige Atmosphären auftreten können. Die Erdung muss daher sowohl den Big Bag selbst als auch die angeschlossenen Anlagenteile berücksichtigen.

Ein wesentliches Risiko besteht darin, dass Erdverbindungen:
• vergessen
• falsch angeschlossen
• oder während des Betriebs unterbrochen werden

Deshalb spielen hier überwachte Erdungslösungen eine besonders wichtige Rolle.

Erdung von Personen

Personen sind ein oft unterschätzter Bestandteil des Erdungskonzepts. In vielen Prozessen fungieren sie ungewollt als Ladungsträger, insbesondere bei:
• isolierendem Schuhwerk
• ungeeigneten Bodenbelägen
• trockener Umgebungsluft

Die Erdung von Personen erfolgt in der Regel indirekt über:
• ableitfähige Schuhe
• geeignete Böden
• zusätzliche ESD-Maßnahmen an Arbeitsplätzen

Ziel ist nicht eine maximale Stromableitung, sondern eine kontrollierte, sichere Entladung, die sowohl elektrostatische Risiken als auch den Personenschutz berücksichtigt.

Erdungsüberwachung und Prozessfreigabe

In sicherheitskritischen Anwendungen reicht es nicht aus, eine Erdverbindung lediglich bereitzustellen. Entscheidend ist die Sicherheit, dass sie tatsächlich besteht. Erdungsüberwachungssysteme prüfen kontinuierlich:
• ob eine Verbindung vorhanden ist
• ob der Ableitwiderstand im zulässigen Bereich liegt

Erst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kann eine Prozessfreigabe erfolgen – etwa für das Starten eines Abfüllvorgangs. Dadurch lassen sich typische Bedienfehler vermeiden und Sicherheitsmaßnahmen in den Prozess integrieren, statt sie dem Anwender zu überlassen.

Von der Lösung zum Anwendungskonzept

Die Auswahl der passenden Erdungslösung ist nie losgelöst vom Prozess zu betrachten. Entscheidend sind unter anderem:
• Art des Materials
• Prozessgeschwindigkeit
• Mobilität der Komponenten
• Umgebungsbedingungen
• Explosionsgefährdung

Deshalb ist elektrostatische Erdung keine Standardlösung „von der Stange“, sondern Teil eines anwendungsspezifischen Sicherheitskonzepts. Genau an dieser Stelle verzweigt dieses Thema in weiterführende, praxisnahe Detailbetrachtungen.

Weiterführende Themen, Anwendungen und Vertiefungen

Elektrostatische Erdung ist kein isoliertes Einzelthema, sondern Bestandteil eines umfassenden Sicherheits- und Prozesskonzepts. Die im vorliegenden Leitfaden beschriebenen Grundlagen bilden den Rahmen, innerhalb dessen sich konkrete Anwendungen, Detailfragen und technische Lösungen bewegen.

In der industriellen Praxis zeigen sich dabei immer wieder spezifische Schwerpunkte, die eine vertiefte Betrachtung erfordern. Diese ergeben sich aus dem jeweiligen Prozess, den eingesetzten Materialien sowie den betrieblichen Randbedingungen.

Typische Anwendungsfelder mit besonderem Erdungsbedarf

Bestimmte Anwendungen stellen besonders hohe Anforderungen an die Erdung, da hier mehrere Risikofaktoren zusammenkommen – etwa Mobilität, wechselnde Prozesszustände oder explosionsfähige Atmosphären.

Dazu zählen unter anderem:
Abfüll- und Umfüllprozesse mit Fässern und IBCs
Schüttgut- und Staubprozesse mit Big Bags (FIBC)
• mobile Anlagen und temporäre Aufbauten
• manuelle Eingriffe in laufende Prozesse
Be- und Entladevorgängen bei Tankfahrzeugen (TKW)
In diesen Fällen ist eine pauschale Lösung selten ausreichend. Stattdessen sind prozessangepasste Erdungskonzepte erforderlich, die technische, organisatorische und betriebliche Aspekte miteinander verbinden.

Übergang von Grundlagen zu spezifischen Lösungen

Die vorhergehenden Kapitel zeigen, warum Erdung notwendig ist, wie sie funktioniert und wo typische Schwachstellen liegen. Aufbauend darauf lassen sich gezielt weiterführende Fragestellungen behandeln, etwa:
• Wie wird die Erdung von mobilen Gebinden zuverlässig in den Prozess integriert?
• Wann ist eine Erdungsüberwachung erforderlich?
• Welche Besonderheiten gelten für Big Bags unterschiedlicher Bauarten?
• Wie lassen sich Erdung und Ionisation sinnvoll kombinieren?

Diese Fragestellungen bilden die Grundlage für eigenständige, thematisch fokussierte Beiträge, die einzelne Aspekte vertiefen und konkrete Anwendungsszenarien beschreiben.

Strukturierte Vertiefung statt unübersichtlicher Detailfülle

Statt alle Details auf einer Seite zu bündeln, ist eine strukturierte Aufteilung in weiterführende Themen sinnvoll. So bleiben die Grundlagen übersichtlich, während spezifische Inhalte gezielt dort vertieft werden, wo sie für den jeweiligen Anwendungsfall relevant sind.

Aus diesem Hub führen daher Verweise zu:
• Erdung von Fässern, IBCs und mobilen Gebinden
• Erdung von Big Bags (FIBC)
• Erdungsüberwachung in sicherheitskritischen Prozessen
• Zusammenspiel von Erdung und Ionisation
• Elektrostatische Entladung als übergeordnetes Elektrostatik-Thema

Diese Struktur ermöglicht es, Wissen schrittweise aufzubauen – von den physikalischen Grundlagen über sicherheitsrelevante Zusammenhänge bis hin zu konkreten technischen Lösungen.

Einordnung und Ausblick

Die elektrostatische Erdung ist eine Grundvoraussetzung für den sicheren Betrieb vieler industrieller Prozesse. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch nicht von einzelnen Komponenten ab, sondern von der konsequenten Umsetzung im gesamten Prozessumfeld.

Ein fundiertes Verständnis der Zusammenhänge erleichtert nicht nur die Auswahl geeigneter Erdungslösungen, sondern hilft auch dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Genau an dieser Stelle setzt die weiterführende Betrachtung einzelner Anwendungen an.

Lösungsansatz von Schnick Systemtechnik

Schnick verfolgt auch im Bereich der elektrostatischen Erdung einen ganzheitlichen, anwendungsbezogenen Ansatz. Ziel ist es nicht, einzelne Erdungskomponenten bereitzustellen, sondern elektrostatische Risiken systematisch zu analysieren und dauerhaft zu beherrschen.

Am Anfang steht die Betrachtung des gesamten Prozesses:
Wo entstehen elektrostatische Aufladungen? Welche leitfähigen Komponenten sind beteiligt? Und unter welchen Betriebszuständen können gefährliche Entladungen auftreten? Diese Analyse bildet die Grundlage für ein wirksames Erdungskonzept.

Darauf aufbauend werden geeignete Erdungs- und Überwachungslösungen ausgewählt, die zur jeweiligen Anwendung, Prozessdynamik und Sicherheitsanforderung passen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf mobilen Komponenten, temporären Aufbauten sowie explosionsgefährdeten Bereichen.

Die Integration erfolgt stets prozessorientiert – sowohl mechanisch als auch in bestehende Steuerungs- und Freigabekonzepte. Erdungszustände können so überwacht und sicherheitsrelevante Prozesse gezielt freigegeben oder gesperrt werden.

Ergänzend unterstützt Schnick bei Inbetriebnahme, Prüfung und Optimierung der Erdungslösung. Schulungen für Bediener und Instandhaltungspersonal stellen sicher, dass das Erdungskonzept im Alltag korrekt angewendet und dauerhaft wirksam bleibt.

Der Fokus liegt dabei immer auf der sicheren und reproduzierbaren Anwendung – nicht auf einzelnen Komponenten.

Beratung & Service

Schnick Systemtechnik ist Anwendungsexperte für elektrostatische Erdung in industriellen Prozessen.
Der Fokus liegt auf der sicherheitstechnischen Bewertung elektrostatischer Risiken sowie der prozesssicheren Auslegung und Integration von Erdungskonzepten – insbesondere in sicherheitsrelevanten und explosionsgefährdeten Anwendungen.

Elektrostatische Effekte und deren sichere Beherrschung sind stets prozessabhängig. Eine wirksame Erdung lässt sich daher nicht pauschal festlegen, sondern muss an die jeweiligen Betriebsbedingungen, Materialien und Abläufe angepasst werden.

Schnick Systemtechnik unterstützt seine Kunden bereits in der Analysephase durch eine Vor-Ort-Betrachtung der elektrostatischen Situation. Dabei werden potenzielle Aufladungsquellen, leitfähige Komponenten sowie mögliche Schwachstellen in der bestehenden Erdung identifiziert. Auf dieser Basis erfolgt eine anwendungstechnische Beratung, die sowohl Sicherheitsanforderungen als auch praktische Umsetzbarkeit berücksichtigt.

Zur Absicherung des Konzepts können Teststellungen und Versuche durchgeführt werden, um Erdungsmaßnahmen unter realen Prozessbedingungen zu bewerten. Auch nach der Inbetriebnahme begleitet Schnick Systemtechnik seine Kunden bei der Optimierung und Anpassung der Erdungslösung, etwa bei Prozessänderungen, Umbauten oder neuen Produkten.

Ziel ist eine dauerhaft wirksame und reproduzierbare Erdung, die im täglichen Betrieb zuverlässig funktioniert und Sicherheit nicht dem Zufall überlässt.

Regelwerke und weiterführende technische Literatur

Die Auslegung und Umsetzung elektrostatischer Erdungsmaßnahmen erfolgt in der Praxis unter Berücksichtigung einschlägiger technischer Regeln, Richtlinien und Normen. Diese dienen als Grundlage für die Bewertung elektrostatischer Risiken sowie für die Ableitung geeigneter Schutzmaßnahmen.

Zu den häufig herangezogenen Regelwerken zählen unter anderem:
• TRGS 727 – Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen
(Technische Regel für Gefahrstoffe, Deutschland)
• ATEX-Richtlinien zur Vermeidung explosionsfähiger Atmosphären und Zündquellen
• Relevante Normen und Empfehlungen aus dem Bereich Elektrostatik, Explosionsschutz und Arbeitssicherheit

Die genannten Regelwerke bilden den rahmengebenden Stand der Technik, ersetzen jedoch keine anwendungsspezifische Gefährdungsbeurteilung oder sicherheitstechnische Auslegung im Einzelfall.

Hinweis: Die jeweils aktuellen Fassungen der Regelwerke sind bei den zuständigen Stellen verfügbar.
TRGS 727 (BAuA)
Atex Richtlinie auf EUR-Lex
Atex Richtlinie 2014/34/EU

Hinweis zur Anwendung und rechtlichen Einordnung

Die in diesem Beitrag dargestellten Inhalte dienen der allgemeinen technischen Information und redaktionellen Einordnung zum Thema elektrostatische Erdung. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und können in einzelnen Details vereinfacht oder verkürzt dargestellt sein.

Elektrostatische Effekte, Erdungsmaßnahmen und sicherheitstechnische Anforderungen sind stark anwendungs- und prozessabhängig. Die hier beschriebenen Inhalte ersetzen daher keine projektspezifische Gefährdungsbeurteilung, sicherheitstechnische Auslegung oder rechtliche Bewertung im Einzelfall.

Die Auswahl, Auslegung und Umsetzung von Erdungsmaßnahmen hängt stets von den konkreten Betriebsbedingungen, eingesetzten Materialien sowie den jeweils geltenden gesetzlichen, normativen und betrieblichen Vorgaben ab. Insbesondere in explosionsgefährdeten Bereichen sind die relevanten Richtlinien, Vorschriften und Regelwerke verbindlich zu berücksichtigen.

Für die Bewertung konkreter Anwendungen und die Umsetzung geeigneter Maßnahmen sollte daher immer ein fachkundiger Experte hinzugezogen werden.