Nutzung elektrostatischer Aufladung in der Extrusion

(Blasfolie, Castfilm, Chill-Roll-Anwendungen)

In der Kunststoffextrusion wird elektrostatische Aufladung häufig ausschließlich als Störfaktor wahrgenommen. Tatsächlich lässt sich Elektrostatik jedoch gezielt nutzen, um Prozessstabilität, Produktqualität und Maschinenauslastung zu verbessern. Insbesondere in der Folienextrusion hat sich der kontrollierte Einsatz elektrostatischer Aufladung seit vielen Jahren als wirksames Hilfsmittel etabliert.

Entscheidend ist dabei nicht die Höhe der Ladung, sondern deren gezielte, kontrollierte und zeitlich begrenzte Anwendung.

Zur Übersicht "Elektrostatische Aufladung"

Hintergrund

Grundprinzip der elektrostatischen Nutzung in Extrusionsprozessen

Bei der Nutzanwendung elektrostatischer Aufladung wird ein elektrisches Feld eingesetzt, um temporäre Haftkräftezwischen Kunststoffschmelze, Folienbahn und geerdeten Maschinenelementen zu erzeugen. Voraussetzung ist, dass mindestens einer der beteiligten Partner elektrisch nicht oder nur schlecht leitfähig ist.

Das elektrische Feld bewirkt, dass sich die Folie oder Schmelze kontrolliert an eine geerdete Walze oder Fläche anlegt. Die entstehende Haftung ist dabei reversibel und kann durch Entladung an nachfolgenden Prozessstellen wieder aufgehoben werden.


Blasfolie

Blasfolienextrusion: Stabilisierung und Bahnführung

In der Blasfolienextrusion treten elektrostatische Effekte insbesondere im Bereich der Folienführung und der Kühl- bzw. Abzugsstrecken auf. Durch gezielte Aufladung lassen sich unter anderem:

  • instabile Bahnverläufe beruhigen

  • Flatterbewegungen reduzieren

  • Kontakt zur Walze oder Führung stabilisieren

Die elektrostatische Haftung sorgt dafür, dass die Folie definiert geführt wird, ohne mechanischen Druck oder zusätzliche Andruckelemente einzusetzen. Dies ist besonders bei dünnen Folien und hohen Liniengeschwindigkeiten von Vorteil.


Flachfolie

Flachfolienextrusion: Fixierung der Schmelze auf der Kühlwalze

Bei der Flachfolienextrusion wird die Kunststoffschmelze aus einer Breitschlitzdüse auf eine Kühlwalze aufgebracht. Während des Abkühlens neigt die Schmelzefahne dazu, sich zusammenzuziehen oder undefiniert zu bewegen. Die Folge sind:

  • instabile Ränder

  • erhöhter Randbeschnitt

  • eingeschränkte Prozessstabilität

Durch gezielte elektrostatische Randzonenaufladung kann die Schmelze an der Kühlwalze fixiert werden. Die Folie legt sich gleichmäßig an, wodurch:

  • die Breite stabilisiert wird durch Neck-In-Vermeidung mittels edge pinnings

  • der Wärmeübergang verbessert wird

  • der Prozess reproduzierbarer wird

Moderne Extrusionsanlagen mit hohen Liniengeschwindigkeiten sind in vielen Fällen ohne elektrostatische Fixierung nicht mehr wirtschaftlich betreibbar.


Castfilm

Flachfolienextrusion: Fixierung der Schmelze auf der Kühlwalze

In Chill-Roll-Anwendungen dient die elektrostatische Aufladung dazu, Folien oder Bahnen zuverlässig auf Kühlwalzen zu fixieren. Dabei entstehen mehrere positive Effekte:

  • stabiler Bahnverlauf

  • verbesserter Wärmeübergang zwischen Folie und Walze

  • gleichmäßiger Abkühlprozess

  • reduzierte Belagbildung

Die elektrostatische Haftung wirkt über die gesamte Kontaktfläche zwischen Bahn und Walze und ist damit mechanischen Andrucklösungen deutlich überlegen – insbesondere bei empfindlichen oder sehr dünnen Materialien.


Vorteile

Vorteile gegenüber mechanischen Andrucklösungen

Der Einsatz elektrostatischer Aufladung bietet gegenüber mechanischen Andrucksystemen mehrere Vorteile:

  • kontaktlose Krafteinwirkung

  • keine Beschädigung der Oberfläche

  • gleichmäßige Haftung über die gesamte Bahnbreite

  • einfache Anpassung an wechselnde Materialien

  • hohe Prozessgeschwindigkeiten möglich

Da die Aufladung ohne direkten Kontakt aufgebracht wird, bleibt die Produktoberfläche unbeeinträchtigt.


Sicherheit

Sicherheits- und Prozessaspekte

Die Nutzung elektrostatischer Aufladung erfolgt mit Hochspannungen, jedoch bei sehr geringen Strömen. Moderne Systeme sind so ausgelegt, dass:

  • die Hochspannung nur bei laufender Maschine freigegeben wird

  • sich die Spannung nach dem Abschalten schnell abbaut

  • die Aufladung auf der Folie wieder beseitigt wird

  • die Aufladeelektroden hochohmig geschützt sind

  • die Anwendung kontrolliert und reproduzierbar erfolgt

Nach Erreichen des gewünschten Effekts kann die Aufladung an geeigneten Stellen gezielt wieder durch Entladung beseitigt werden, um unerwünschte Folgeeffekte zu vermeiden.


Praxis

Abgrenzung: Nutzung vs. Beseitigung von Elektrostatik

Während bei vielen Anwendungen die Beseitigung elektrostatischer Aufladung im Vordergrund steht, verfolgt die Nutzanwendung einen anderen Ansatz. Ziel ist nicht die vollständige Neutralisation, sondern die gezielte Erzeugung eines definierten elektrostatischen Effekts, der dem Prozess dient.

Beide Ansätze – Nutzung und Entladung – sind kein Widerspruch, sondern ergänzen sich innerhalb eines durchdachten Gesamtkonzepts.


Einbindung in das Gesamtkonzept der Elektrostatik

Die Nutzung elektrostatischer Aufladung in der Extrusion ist Teil eines umfassenden elektrostatischen Konzepts, das unter anderem umfasst:

  • gezielte Aufladung an definierten Prozessstellen

  • Entladung an nachfolgenden Maschinenabschnitten

  • sichere Erdung von Maschinenteilen

  • Berücksichtigung von Materialeigenschaften und Prozessparametern

Nur durch die abgestimmte Kombination dieser Maßnahmen lässt sich die Elektrostatik kontrolliert und sicher einsetzen.


Zusammenhang mit dem übergeordneten Thema Aufladung

Die hier beschriebene Nutzung elektrostatischer Aufladung baut auf den Grundlagen der elektrostatischen Aufladung in industriellen Prozessen auf. Sie zeigt, dass Elektrostatik nicht nur ein Störfaktor ist, sondern bei richtiger Anwendung einen echten funktionalen Mehrwert bietet.

Zurück zum Hub: "Elektrostatische Aufladung"


Schnick Systemtechnik

Warum Schnick Systemtechnik?

Die Nutzung elektrostatischer Aufladung in Extrusionsprozessen erfordert Erfahrung im Zusammenspiel von Material, Maschinentechnik und Prozessführung. Schnick Systemtechnik unterstützt - mit Jahrzehnten der Erfahrung und Expertise - Anwender bei der anwendungsspezifischen Auslegung und Integration elektrostatischer Aufladung, um stabile, reproduzierbare und wirtschaftliche Prozesse zu realisieren.

Der Fokus liegt dabei stets auf der praxisgerechten Umsetzung im realen Produktionsumfeld.


Weg zur Lösung

Praxis-Merksatz

Richtig eingesetzt ist Elektrostatik in der Extrusion kein Störfaktor, sondern ein wirkungsvolles Prozesswerkzeug.
Eltex POWER CHARGER

Passende Produkte

Hochspannungsgenerator

  • POWER CHARGER

Ionisationselektroden

  • R120
  • R130
  • R23ATR

Produktübersicht

Auf unserem Youtube-Kanal: