Erdung von Tankfahrzeugen (TKW) bei Be- und Entladevorgängen

Tankfahrzeuge (TKW) werden in vielen Chemibetrieben zur Anlieferung, Abholung oder innerbetrieblichen Verteilung von Flüssigkeiten eingesetzt. Bei Be- und Entladevorgängen treten dabei regelmäßig elektrostatische Aufladungen auf, die in Verbindung mit brennbaren Flüssigkeiten, Dämpfen oder Gasen ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen können.

Die sichere Erdung von Tankfahrzeugen ist deshalb eine zentrale Schutzmaßnahme im Explosions- und Personenschutz. Sie dient dazu, elektrostatische Ladungen kontrolliert abzuleiten und gefährliche Funkenentladungen zuverlässig zu vermeiden.

Hintergrund

Warum Tankfahrzeuge ein besonderes elektrostatisches Risiko darstellen

Tankfahrzeuge vereinen mehrere Faktoren, die elektrostatische Risiken begünstigen:

  • große leitfähige Metallmassen

  • mobile Einheiten ohne dauerhafte Erdverbindung

  • Strömungs- und Reibungsvorgänge beim Fördern von Flüssigkeiten

  • flexible Schlauch- und Kupplungssysteme

  • häufige manuelle Eingriffe

Während des Befüllens oder Entleerens entstehen durch Strömung, Trennung und Reibung erhebliche elektrostatische Ladungen. Ohne eine zuverlässige Erdverbindung können sich diese Ladungen auf dem Fahrzeug aufbauen und sich beim Annähern geerdeter Anlagenteile schlagartig entladen.

Gerade in explosionsgefährdeten Bereichen kann eine solche Entladung als wirksame Zündquelle auftreten.


Typische Fehler

Typische Be- und Entladeprozesse

Elektrostatische Risiken treten insbesondere bei folgenden Prozessen auf:

  • Be- und Entladung von Lösemitteln

  • Abfüllung und Entleerung von Kraftstoffen

  • Umschlag von Chemikalien

  • Reinigungs- und Spülvorgänge von Tanks

  • Schlauchverbindungen zwischen Fahrzeug und Anlage

In diesen Situationen entstehen oft entzündliche Dampf-Luft-Gemische, während gleichzeitig hohe elektrostatische Ladungen auftreten können. Die Erdung des Tankfahrzeugs muss daher vor Beginn des eigentlichen Prozessschritts hergestellt werden.


Anforderungen

Anforderungen an die Erdung von Tankfahrzeugen

Eine wirksame Erdung von Tankfahrzeugen muss mehrere grundlegende Anforderungen erfüllen:

  • Definierter Erdanschlusspunkt

    Das Fahrzeug muss an einem dafür vorgesehenen, leitfähigen Punkt geerdet werden. Provisorische oder ungeeignete Anschlüsse erhöhen das Risiko erheblich.

  • Zuverlässiger elektrischer Kontakt

    Lacke, Verschmutzungen oder Korrosion dürfen den Kontakt nicht beeinträchtigen. Die Erdung muss elektrisch wirksam sein, nicht nur mechanisch angeschlossen.

  • Ausreichend niedriger Ableitwiderstand

    Der elektrische Widerstand gegen Erde muss im zulässigen Bereich liegen, damit Ladungen kontinuierlich abfließen können.

  • Beständigkeit während des gesamten Vorgangs

    Die Erdverbindung darf während des Be- oder Entladeprozesses nicht unterbrochen werden.


Praxis

Erdungsüberwachung bei Tankfahrzeugen

In sicherheitskritischen Anwendungen reicht es nicht aus, das Tankfahrzeug lediglich anzuklemmen. Erdungsüberwachungssysteme prüfen kontinuierlich, ob:

  • eine Erdverbindung vorhanden ist

  • der Ableitwiderstand im zulässigen Bereich liegt

Erst bei korrekt hergestellter Erdung wird der Be- oder Entladevorgang freigegeben. Unterbrechungen oder Fehlanschlüsse werden sofort erkannt und können den Prozess stoppen.

Diese Überwachung reduziert das Risiko von Bedienfehlern und erhöht die Prozesssicherheit und Nachvollziehbarkeit, insbesondere bei wechselndem Personal oder externen Fahrern.


Bedeutung

Erdung von Tankfahrzeugen im Explosionsschutzkonzept

Die Erdung von Tankfahrzeugen ist stets Teil eines übergeordneten Explosionsschutzkonzepts. Sie wirkt nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit:

  • organisatorischen Maßnahmen

  • klaren Arbeitsanweisungen

  • Schulungen des Bedienpersonals

  • der Erdung angrenzender Anlagenteile

  • Potenzialausgleich zwischen Fahrzeug und Anlage

Gerade bei temporären Be- und Entladestellen ist eine klare Regelung der Verantwortlichkeiten entscheidend.


Typische Fehler

Typische Fehler in der Praxis

In der Praxis treten bei der Erdung von Tankfahrzeugen immer wieder ähnliche Schwachstellen auf:

  • Erdung wird erst nach Prozessbeginn angeschlossen

  • Anschluss an ungeeigneten oder lackierten Punkten

  • verschmutzte oder beschädigte Erdungskontakte

  • fehlende Überwachung des Erdungszustands

  • Annahme, dass das Fahrzeug „automatisch geerdet“ sei

Diese Fehler bleiben häufig unbemerkt, da elektrostatische Aufladung nicht sichtbar ist – bis es zur Entladung kommt.


Einbindung in ein ganzheitliches Erdungskonzept

Die Erdung von Tankfahrzeugen ist kein Einzelthema, sondern Teil eines umfassenden Erdungskonzepts. Dazu gehören unter anderem:

  • Erdung mobiler Gebinde wie Fässer und IBCs

  • Erdung von Big Bags (FIBC)

  • Erdungsüberwachung in explosionsgefährdeten Bereichen

  • Schulung und Sensibilisierung der Anwender

Nur wenn diese Maßnahmen aufeinander abgestimmt sind, lässt sich das Risiko elektrostatischer Entladungen nachhaltig reduzieren.


Zusammenhang mit dem übergeordneten Thema Erdung

Die sichere Erdung von Tankfahrzeugen baut direkt auf den Grundlagen der elektrostatischen Erdung in Chemiebetrieben auf. Sie stellt eine der sicherheitskritischsten Anwendungen dar, da hier hohe Ladungsmengen und explosionsfähige Atmosphären zusammenkommen.

Zurück zum Hub: Elektrostatische Erdung in industriellen Prozessen


Praxis-Hinweis:

Tankfahrzeuge müssen grundsätzlich vor Beginn des Be- oder Entladevorgangs zuverlässig geerdet werden – nicht erst, wenn der Prozess bereits läuft.


Schnick Systemtechnik

Warum Schnick Systemtechnik?

Die Erdung von Tankfahrzeugen erfordert Erfahrung im Umgang mit elektrostatischen Risiken sowie in der Integration technischer Schutzmaßnahmen in sicherheitskritische Prozesse. Schnick Systemtechnik unterstützt Betreiber bei der anwendungsspezifischen Bewertung von Be- und Entladevorgängen und bei der Auslegung geeigneter Erdungs- und Überwachungskonzepte.

Dabei werden sowohl technische als auch organisatorische Rahmenbedingungen berücksichtigt, um eine praxisgerechte und dauerhaft wirksame Erdung im täglichen Betrieb sicherzustellen.

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